Für das stimmliche Sprechen, also das Erzeugen und Formen von Lauten, wirken verschiedene Sprechorgane zusammen. Die Atmungsorgane im Brustkorb – Lungen, Bronchien, Zwerchfell und Atemmuskulatur – erzeugen den Expirationsstrom der Atemluft, der über die Luftröhre den Kehlkopf erreicht. In diesem Stimmerzeugungsorgan kann der Luftstrom einen Klang bekommen: Durch das Öffnen, Schließen und Schwingen der Stimmlippen (Stimmbänder) wird er zum sogenannten Phonationsstrom.

Zu den Artikulations- oder Lautformungsorganen gehören der Kehl- und Rachenraum und der Mundraum mit Zunge, Lippen, Gaumen, Zäpfchen, Wangenmuskeln, Zähnen, Unterkiefer und Kiefergelenken. Der Nasenraum gehört ebenfalls zu den Lautformungsorganen: Er fungiert als Resonanzraum und stellt somit ein passives Sprechorgan dar. Zu den Sprachen der Welt gehören auch verschiedene stimmhafte und stimmlose Nasale (Nasenlaute), für deren Erzeugung Lippen, Zähne, hinterer Gaumen und Nasenraum genutzt werden. Die Nasale der deutschen Sprache sind m, n und ng, alle drei sind stimmhaft.

Logopädie bei Rhinophonie und Dysglossie

Zu den häufigsten Störungen der Stimm- und Sprechfunktionen zählen Rhinophonien (Nasalitätsstörungen, Näseln). Bei Rhinophonie können die lautlichen Normen beim Sprechen nicht korrekt umgesetzt werden, weil Phonation und Artikulation durch eine Funktionsstörung oder Schädigung der Sprechorgane eingeschränkt sind. Der Stimmklang ist dann nasal, farblos oder dumpf, die Sprache klingt verwaschen, und je nach Ausmaß der Artikulationsstörung fällt es den Betroffenen sehr schwer, sich verständlich zu machen und normal zu kommunizieren.

Artikulationsstörungen aufgrund von Veränderungen der Sprechorgane werden auch Dysglossien genannt. Zu ihren Ursachen zählen angeborene Fehlbildungen (z. B. Lippen-Kiefer-Gaumenspalte), Verletzungen und Traumen, Lähmungen, organische oder neurologische Krankheiten und Operationen.

Bei einer reinen Sprechfunktionsstörung ist das Sprachvermögen intakt, lediglich die zum Sprechen benötigten artikulatorischen bzw. motorischen Fertigkeiten sind beeinträchtigt. Doch je nach ihrer Ursache kann die Sprechstörung auch mit einer Sprachstörung einhergehen. Durch eine logopädische Stimm-, Sprach oder Sprechtherapie, eventuell ergänzt durch eine Atemtherapie oder Hörtraining, können die Funktionen der Sprechorgane, der Stimmklang und die Artikulation verbessert bzw. normalisiert werden.